Daniel Kalla im Porträt

Ein Interview mit dem Kanadischen Krimiautor und Arzt

17.07.2009 Britta Stromeyer Esmail

Der erfolgreiche Daniel Kalla wird oft als der nächste "Michael Crichton" angesehen. Filmrechte zu seinem ersten Roman, "Pandemie", wurden bereits verkauft.

Daniel Kalla wurde in Vancouver geboren und ist dort aufgewachsen. Heute arbeitet er als Arzt in der Notaufnahme eines städtischen Krankenhauses. In seiner Freizeit schreibt er Thriller und ist erfolgreicher Autor von fünf Büchern. Drei seiner Werke "Pandemie", "Rage – Die Therapie" und "Blutlüge" wurden in die deutsche Sprache übersetzt. Kalla arbeitet derzeit an seinem 6. Buch "Of Flesh and Blood" ("Aus Fleisch und Blut"), welches im Frühjahr 2010 in den USA erscheinen wird. In einem Exklusiv- Interview mit Suite101 erzählt Kalla, wie er sein Familienleben, seinen Beruf und die Schriftstellerei miteinander vereinen kann.

Daniel Kalla: Von der Notaufnahme zum Krimiautor

Mit lachender Stimme antwortete Kalla auf die neugierige Frage, wie ein Arzt zum Thriller-Autor wird: "Gott sei Dank langsam!" Auf Grund der unterschiedlichen und unregelmäßigen Arbeitszeiten gehen viele Notärzte diversen Hobbys und Zweitberufen nach, wie zum Beispiel als Immobilienverkäufer, oder sie widmen sich der Musik

Kalla erklärt, dass das Schreiben schon immer eine außergewöhnliche Faszination auf ihn ausübte. "Vor ein paar Jahren habe ich dann ein paar Kurse belegt und Fachbücher gelesen. Als ich dann angefangen habe zu schreiben, konnte ich nicht mehr aufhören, es wurde zur Sucht", erzählt Kalla. Aus seiner Erfahrung an der Klinik im Umgang mit dem SARS-Ausbruch 2003 entstand die Idee für seinen ersten Thriller und Bestseller "Pandemie". Als die erste SARS-Erkrankung in Vancouver auftrat, wurde Kalla in der neu gegründeten Taskforce eingesetzt. Dieser medizinische Hintergrund lieferte Kalla eine zusätzliche authentische Basis und diente als zusätzlicher Inhalt.

Kalla ist ein Schriftsteller, der sich gerne von seinen eigenen Geschichten und Charakter-Entwicklungen überraschen lässt. Er widersteht dem Drang einer detaillierten Planung seiner Romane. Sein erster Roman "Pandemie" ist ein gutes Beispiel dafür, dass aus dem Prinzip einer Kurzgeschichte und aus einer vagen Idee ein Konzept entstanden ist. Dieser kreative Prozess ist Kalla am liebsten. Er lässt sich gerne von seiner eigenen Kreativität überraschen.

Eine Familie von Ärzten

Kalla wuchs unter einer Ärztegeneration auf und räumt ein, dass er nie viel darüber nachgedacht hat, dass seine Kindheit anders war als die anderer Kinder. Für ihn war es normal, dass seine Eltern beim Abendessen medizinische Gespräche führten, oder in der Freizeit zur Geburt eines Kindes gerufen wurden, oder noch den ein oder anderen Hausbesuch machten. All dies war ein Teil der täglichen Routine des jungen Kalla. Er erinnert sich heute noch sehr gut daran, dass er manchmal auf dem Nachhauseweg eines Familienausflugs einige Stunden im Wartezimmer eines Krankenhauses verbrachte, während seine Eltern ihre Patienten besuchten.

Sehr früh wurde Kalla in die Welt der Medizin eingebettet, bevor er selbst wusste, was Medizin überhaupt bedeutet. Laut Kalla haben seine Eltern versucht, ihre Kinder vor den Stressfaktoren der medizinischen Welt zu schützen, aber es gab einige Dinge, die nicht zu vermeiden waren. So erinnert sich Kalla an den Tag, als sein Nachbar einen Herzstillstand erlitt. Seine Mutter versuchte, ihn wiederzubeleben, während die Kinder dabei standen und zusahen, dies sind Momente, die man nicht mehr vergisst.

In seiner eigenen Rolle als Vater von zwei Kindern ist es ihm auch heute nicht immer möglich, alle Stressfaktoren von ihnen fernzuhalten. Vor ein paar Jahren wurde eine Reise ins Disneyland durch einen Verkehrsunfall unterbrochen. Kalla als Arzt war der Erste am Unfallort und musste schnell handeln. "In diesen Momenten vergisst man, welchen Einfluss der Beruf eines Mediziners auf die Familie hat, nichts ist berechenbar", erinnert sich Kalla. Ganz im Gegenteil zu seiner Schriftstellerei. Hier ist er diszipliniert und genießt die freie Zeit mit seiner Familie.

Ein neues Buch von Kalla

Kallas neues Buch "Of Flesh and Blood" ist ein Gegenentwurf zu seinen Thriller-Büchern. Es ist ein vielschichtiger Roman über eine medizinische Dynastie. Dieser Roman ist für Daniel Kalla viel komplexer und geht viel tiefer in die Materie als bei seinen bisherigen Büchern. Pflege und Gemeinschaft eines Krankenhauses geraten durch Konflikte der Charaktere und durch persönliche Kämpfe in die Krise.

In "Of Flesh and Blood" liefert Kalla einen Einblick in die Psyche der Arztfamilien, wie sie mit den beruflichen Herausforderungen und den persönlichen Krisen fertig werden. Durch seine anschaulichen Darstellungen erweckt Kalla seine Figuren zum Leben.

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