Schreibhemmung ade!Kriminalromanautoren geben praktische Tipps
Wie gehen Krimiautoren mit Schreibblockaden um und welche Tricks wenden sie an, um diese zu überwinden?
Eine Schreibhemmung kann zu einem ernsten Problem werden, wenn ein Text zu einem vertraglich vereinbarten Termin fertig gestellt werden muss. Auch bei Profis passiert es von Zeit zu Zeit, dass sie bei einer Geschichte hängen, der Bildschirm oder das Blatt Papier gähnend leer bleiben und sich das Gefühl breit macht, völlig den Anschluss verloren zu haben. Vielleicht gibt es einen Text im Kopf, doch dieser lässt sich partout nicht in Worte fassen. So unterschiedlich wie Ursachen und Auswirkungen von Schreibblockaden, so unterschiedlich sind auch deren Lösungen. UrsachenforschungOft lohnt es sich, ein wenig Ursachenforschung zu betreiben. Hat sich etwas an der Lebenssituation geändert? Gibt es eine neue Herausforderung, die nun die volle Aufmerksamkeit einfordert? Wenn sich die Situation wieder normalisiert, kommt die Schreiblust meist von selbst wieder zurück. Losschreiben und hinterher reparierenSchwieriger ist es, wenn man sich mit Schreiben den Lebensunterhalt verdient. Auch dem mehrfach ausgezeichneten, österreichischen Autor Stefan Slupetzky sind Schreibhemmungen ein Begriff: „Meiner Ansicht nach bedeutet Schreibhemmung nicht, dass einem nichts einfällt oder dass man nicht mehr formulieren kann, sondern dass man seinen möglichen Ergüssen mit einem Schlag negativ und überkritisch gegenübersteht. Man hat das Gefühl, nichts wird gut genug sein, nichts kann bestehen, also fängt man erst gar nicht an." Sein mehrfach bewährter Tipp: Einfach losschreiben. Irgendetwas, ohne Anspruch auf Qualität. Dabei sei zunächst völlig unwichtig, ob das Geschriebene gestelzt und verschroben klingt: „Das kann alles hinterher repariert werden". Inspriation und Transpiration„Das einzige, was bei mir gegen Schreibblockaden hilft, ist schreiben", verrät die bekannte Kriminalschriftstellerin Anne Chaplet. Für sie ist Schreiben ein Handwerk und somit zu fünf Prozent Inspiration und 95 Prozent Transpiration. Das Wichtigste, so Chaplet sei, die Schreibhand immer in Bewegung zu halten. „Bei mir kommen die meisten wirklich genialen Einfälle unvermutet beim Schreiben. Also hilft es auf jeden Fall, einfach weiterzumachen - auch wenn man sich entsetzlich langweilt und der festen Überzeugung ist, man habe kein Fünkchen Talent." Neue Ideen bringen ihr auch immer wieder lange Telefongespräche mit einem lieben und kenntnisreichen Kollegen. Durchlesen und überarbeiten In dieselbe Kerbe schlägt Edelgard Spaude, die schon viele Bücher geschrieben hat und überdies zahlreiche Autoren bei deren Buchprojekten als Lektorin begleitet. „Eine Schreibhemmung resultiert oft aus der Angst, etwas Grandioses produzieren zu müssen. Das wiederum führt häufig zum Verschieben einer Arbeit, so dass man irgendwann, und das geht schneller als man denkt, den Faden verliert". Gefährlich, so Spaude, wird es, wenn der Schreiber alle möglichen Arbeiten vorschiebt. Eine Erfahrung, die auch ihr über die Jahre nicht erspart geblieben ist. Wie Sie diesen Teufelskreis durchbrechen kann? „Für mich ist das beste und einzige Mittel, dass ich alles, was ich bereits produziert habe, nochmals genau durchlese und überarbeite. So komme ich nach und nach wieder in den Schreibfluss." Musik stimmt einSchreiben hat viel mit Gefühlen zu tun. Manchmal kann es vorkommen, dass die Gefühle weg sind und mit ihnen auch die Geschichte. Hilfreich kann es in dieser Situation sein, seine Gefühle mit Musik zu verknüpfen. Die Krimiautorin Beate Maxian sucht sich zum Beispiel für jedes ihrer Kapitel ein passendes Musikstück. „In dem Moment, wo die Musik zu spielen beginnt, kippe ich automatisch in die Stimmung, die ich für das jeweilige Textstück benötige." Bewegung und DiktiergerätDoch manchmal klappt auch dieser Trick nicht. „Wenn ich den Knoten im Kopf nicht durch denken lösen kann, gehe ich mit dem Hund spazieren oder putze und bügle. Das macht den Kopf wunderbar frei", erzählt Maxian. „Zumeist legt sich die Schreibhemmung während dieser Tätigkeit - dann lass ich auch gleich alles fallen und schreibe weiter bzw. spreche neue Ideen auf mein Diktiergerät, das ich immer mit mir trage." Keine AblenkungFür viele ist Bewegung oder ein Ortswechsel das Zaubermittel, wobei egal ist, ob diese an der frischen Luft oder im trauten Heim erfolgen. Während manche Autoren Abwechslung brauchen, Wandern gehen oder sich ins Kaffeehaus setzen, um sich inspirieren zu lassen, gehen andere in Klausur. Eine Autorenkollegin schwört darauf, sich von der „Außenwelt" abzuschotten: „Ich koche mir eine große Tasse Tee und starte meinen Laptop. Mit dem setze ich mich in ein anderes Zimmer - immer auf den gleichen, gemütlichen Platz." Der befindet sich fernab vom großen PC mit dem Anschluss zur Außenwelt, mit den Email-Postboxen und dem Internetanschluss. Das Handy wird ebenfalls abgedreht. „Durch dieses bewusste ‚Abschalten' tauche ich in eine eigene ‚Schreibwelt' ein, aus der mich keine wichtigen Nachrichten oder Informationen herausreißen können." Aufhören, wenn es am besten gehtEine weitere Möglichkeit, um rasch wieder in den Schreibfluss zu kommen ist die Technik, immer in der Mitte eines Textes abzubrechen, wo man genau weiß, wie die Geschichte weitergehen wird. So weiß der Autor beim nächsten Mal genau, wie er den Text weiter schreiben kann. Einmal „drinnen", fällt dann die Fortsetzung meist nicht schwer. SchreibseminareManchmal reicht Eigenmotivation nicht mehr aus, um eine größere Schreibblockade zu überwinden. An diesem Punkt kann es ratsam sein, bei Profis Hilfe zu suchen. Claudia Rossbacher belegte kurz entschlossen ein Schreibseminar: „Dadurch hatte ich gar keine andere Wahl, ich war gezwungen zu schreiben. So habe ich mir gezeigt, dass ich es noch kann."
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