Susanne Mischke: Der Tote vom Maschsee

Raffinierter Krimi um einen Mord im Umkreis von Hannover

25.09.2008 Nina Hawranke

Im Maschsee wird ein Toter ohne Zunge gefunden. Und auch sonst geht es turbulent zu in der Polizeidirektion Hannover. Ein vorzüglicher Krimi von Susanne Mischke.

„Wozu das denn?“, kommentiert Kommissar Bodo Völxen den geäußerten Wunsch einer Kollegin nach einem Varietébesuch. „Haben wir nicht genug Zirkus hier?“ Damit bringt er zugleich Plot und Umsetzung auf den Punkt – vergnüglich, spannend, intelligent-dynamisch und auch sonst mit allem versehen, das einen ein Buch nur schwer aus der Hand legen lässt.

Ein Toter im Naherholunsgebiet: Der Maschsee

Bodo Völxen, Erster Hauptkommissar des Dezernats 1.1.K der Polizeidirektion Hannover und Mann mit raubeinigem Charme, sieht sich mit einem unappetitlichen Mord konfrontiert. Dr. Martin Offermann, forensischer Psychiater mit Hang zu populärwissenschaftlich aufgepeppten Vorträgen, wird tot im Maschsee aufgefunden. Ihm fehlt die Zunge. Zudem fehlt zunächst jedes Motiv für einen Mord.

Der Tag des Leichenfunds ist zugleich der erste Arbeitstag der neuen Kollegin. Alexa Julia Wedekin, Töchterchen aus gutem Hause, gibt sich kämpferisch und distanziert. Und das nicht ganz ungerechtfertigt, denn die neuen Kollegen nehmen sich anfangs nicht für voll. Was sich aber schnell ändert, denn „Jule“ Wedekin erweist sich als hartnäckiger, als ihr junges Alter vermuten lässt. Und zudem als gar nicht einmal unsympathisch, sofern man sie nicht ständig mit ihren reichen Eltern aufzieht, stellen Hauptkommissarin Oda Kristensen und Oberkommissar Fernando Rodriguez bald fest.

Der Kommissar macht Nordic Walking

Neben dem Fall plagen Kommissar Völxen noch ganz andere Probleme. Zum einen musste er sich von seinem Schafbock Amadeus trennen, denn dieser hat sich als zu große Gefahr für den Gemüsegarten erwiesen. Völxen quälen Gewissensbisse. Und dass er seine Schafe dann und wann mit rosa Irokesenfrisur auf der Weide vorfindet, trägt auch nicht gerade zu seiner Erheiterung bei.

Dann ist da diese Sache mit der Diät. Ausgerechnet zum Nordic Walking hat er sich verdonnern lassen. Und gab es diese Sportklamotten nicht auch in einer anderen Farbe als schreiend türkis? Nicht besser wird es durch Odas Nordic-Walking-Witze, zu denen Völxen nur peinlich berührt schweigen kann, denn den Kollegen hat er seine neue sportliche Aktivität wohlweislich vorenthalten.

Währenddessen kommt Fernando der Hauptverdächtigen näher, als gut ist, Odas fünfzehnjährige Tochter eröffnet der Mutter, dass sie künftig in einem Sarg schlafen werde, und zu allem Überfluss hat Jule feststellen müssen, dass es in ihrer Wohnung offenbar spukt.

Ist ein Sexualstraftäter der Mörder?

Die Kommissare sind in dem Fall Offermann kaum weitergekommen, als sich ein weiterer Mord ereignet. Wieder fehlt dem Opfer die Zunge. Damit werden die wenigen Verdachtsmomente, die man mühsam zusammengeklaubt hat, hinfällig, und die Suche beginnt von Neuem. Es verdichten sich Hinweise darauf, dass der in der JVA Sehnde einsitzende Sexualstraftäter Michael Strauch einiges mit den beiden Morden zu tun hat.

Mischke ist eine geschickte Krimiautorin

Susanne Mischkes inzwischen dreizehnter „Fall“ beweist ihr Geschick als Kriminalautorin. Kriminalistisch genau recherchiertes Fachwissen hält sich elegant mit dem humorvollen Einblick ins Privatleben der Figuren die Waage. Der souverän-lockere Schreibstil fesselt. Ein Buch mit hohem Suchtfaktor.

Susanne Mischke: Der Tote vom Maschsee. Piper 2008. Taschenbuch, 297 Seiten. Euro 14,00.

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Mischke: Maschsee, Piper-Verlag Mischke: Maschsee